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... und der Walter und der Lutz |
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Zur Geschichte einer ausgelöschten Familie |
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III. Zwei Brüder – zwei Wege |
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Eigentlich hätte Walter sich retten können, als er einen
sogenannten "Kindertransport" nach England begleitete. Aber er nahm
ein Retourbillet, denn falls nicht – so wurde ihm angedroht - würde seine Mutter
in ein Konzentrationslager verschleppt werden. So kehrte der pflichtbewusste,
liebende Sohn aus England nach Hamburg zurück. (B. Gewehr, Stolpersteine in
Hamburg-Altona. Biographische Spurensuche, Hamburg 2008, S. 33). |
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Auch Lutz kam nach
England mit diesem Kindertransport, jedoch nicht als Begleiter, sondern als
"Kind", noch gerade vor seinem 17. Geburtstag am 21. Dezember 1938,
denn "erwachsener Kinder" wurden in den Kindertransporten nicht
aufgenommen. Der hellhaarige Lutz,
wie gesagt schon beinahe erwachsen, mit der aberkannten deutschen Staatsangehörigkeit und deutschem
Sprachakzent, fiel in England unter die Kategorie "feindlicher
Ausländer" und sogar "verdächtiger deutscher Spione" und wurde
mit Hunderten aus Deutschland entkommenen Flüchtlingen nach Australien
interniert. |
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Vom
Internierungs-Lager Victoria in Australien schrieb er noch eine Postkarte an
seine Mutter zu ihrem Geburtstag (am 15.11.), die aber ihre Bestimmung nicht
mehr erreichen sollte. |
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15. November 1941 Liebste Mutti! Ich hoffe, dass diese
Karte Dich zum Geburttag erreicht. Was ich Dir und Euch allen wünsche,
brauche ich wohl nicht zu sagen. Nimm vor allem meine herzlichen Wünsche für
Euer aller Gesundheit (wie ich es vom Photo ersah). Gebt die Hoffnung nicht
auf, dass wir uns in Freude wiedersehen werden, die es auch ist, die mir
alles leicht macht. Gesundheitlich geht es mir besser als je zuvor.
Ballsport, Geräteturnen usw. wird betrieben. Mit meinen Sachen komme ich auch
voll aus. Was ich brauchte, habe ich mir schnell verdient, im Augenblick als
Koch sogar. Um da was kommt, mache ich mir in sofern keine Sorgen, als man
weniger selbst dazu tun kann, aber man wird sehen, und Geduld habe ich auch.
Ich freue mich, dass Ihr um mich unbesorgt seid, Onkel Hans wird mir von Euch
wohl öfters erzählen. So geht es auch schneller. Von Thiess & Bruder,
allen anderen und den Verwandten hier höre ich oft Walters Violin-Sonaten.
Gestern wurde Leonoren 3 und die 9. übertragen. – Eure Briefe, auch über
Jolos, treffen ein, manchmal früher, manchmal später. Wenn mal keine sind,
weiß ich auch, Ihr seid wohlauf. Zum Schluss nochmals meine herzlichsten
Glückwünsche für Dich und Grüße an alle Bekannten und Freunde in steter
Liebe, Euer Sohn, Bruder und Neffe Lutz. (Jolo st ein Deckname für Joseph und Lotte
Carlebach) |
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Adressenseite der Postkarte |
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Stempel: Kriegsgefangenenpost Handschriftlich: Geschrieben in deutscher Sprache. Ein Zensurvermerk, der Poststempel von Altona vom 16.9.42. Handschriftlich: Empfänger ins Ausland verzogen. Retour. Abgereist ohne Angabe der Adresse... |
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