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Die Hamburger
Mazzefabrik: kreisrunde Mazzes |
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auch: Mazzoth, Mazzot,
Matzen |
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IV. Kreisrunde Mazzen zwischen Hamburg und Piotrikov (gemäß: Naftali Lavi-Lau)
Das nächste Mal stieß
ich im Februar oder März 1940 auf den Namen von Raw Carlebach. Mit der Post
kam ein Päckchen von Rabbi Carlebach aus Hamburg, mit dem deutschen Vermerk
„Muster ohne Wert“, und enthielt getrocknete Feigen als Mischlo´ach Manot
[Liebesgabe] zum Purimfest. Nach kurzer Zeit kamen zwei größere Pakete, jedes
1 Kilo schwer. Sie enthielten runde Mazzen zu Pessach, maschinell (nicht mit
Hand) gebacken, während üblicherweise maschinell gebackene Mazzen viereckig
waren. Rabbiner und Gelehrte diskutierten über die Kaschrut [rituelle
Zulsslichkeit] dieser Mazzen, die man nicht von früher kannte,. Die
Diskussion endete mit Vaters Entscheid: “Mazzen, die Rabbi Carlebach
geschickt hatte, seien mit Bestimmtheit koscher, vielleicht sogar streng
koscher...“
Zur Zeit des jüdischen Neujahrs ת"ש (1940) bekamen wir
wieder eine Gabe aus Hamburg. Diesmal war es ein prachtvoller Etrog [eine
besondere Zitrusfrucht], den die deutschen Zensoren entzweigeschnitten
hatten! Nach Beginn des Jahres 1941 wurden die Besetzungsbestimmungen
strenger und das Ghetto, das schon seit Oktober 1939 bestand (das erste, das
die Deutschen erstellten), wurde beinahe hermetisch abgeschlossen. Wir
erhielten Post, konnten aber keinerlei Post mehr absenden. Aber auch in
diesem Jahr bekamen wir vor Pessach einige Pakete Mazzen von Rabbi Carlebach
aus Hamburg... Nach den Hohen Feiertagen (1941) erfuhren wir schon von den
Gräueltaten, die die Einsatztruppen in Ostgalizien und in der Ukraine
verübten, gleichzeitig mit dem Eindringen der Wehrmacht in Russland. Im
Rahmen von Vaters Versuchen, mit der Außenwelt Kontakt zu bekommen, hörte ich
mehrmals den Namen von Rabbi Carlebach, als mögliche Kontaktadresse. Vater
schrieb einen kurzen hebräischen Brief voll Andeutungen und hebräische und
aramäische Kode-Worte und bat mich, Rabbi Carlebachs Adresse in deutschen
Druckbuchstaben auf das Kuvert zu schreiben, ohne Angabe eines Absenders. Ich
schrieb die mir bekannte Adresse, vergaß jedoch den Namen „Israel“ neben den
Vornamen „Joseph“ zu schreiben, wie es den deutschen Juden vorgeschrieben
war. Vater beschloss, den Briefumschlag ohne den jüdischen Vermerk
abzuschicken, Der Brief wurde mit Hilfe eines Nichtjuden außerhalb des
Ghettos abgeschickt, und nach etwa einem Monat kam die Antwort Rabbi
Carlebachs an, worin er den Pogrom, der auf seine Gemeinde zukam, andeutete.
Kreisrunde Mazzes – das Brot der Armut
-- das Brot der
Befreiung – das Brot der Hoffnung... |
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