Einstmals Altona – mit jüdischen Kinderaugen gesehen, Fotoalbum |
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Ich durchstreife das Altona von heute – an einem frühen Schabbatmorgen. Noch sind die Geschäfte geschlossen, die Strassen fast beängstigend still und unbelebt. Es drängt mich zum Rathausplatz, zu dem grossen schwarzen Granitblock, zum “Stone for the Missing Jews” of Altona. Die vermissten Juden! Als würde man nicht genau wissen, als ob man nicht unerbittlich genau weiss, was mit den Juden geschehen ist…
1998
Oder vielleicht … Ganz vorsichtig wagt ein Gedanke sich heranzunahen: “Stone for the Missing Jews” – vielleicht um auch anzudeuten, dass Juden in Altona vermisst werden? Es ist als ob dieser Gedanke mich beschwichtigen möchte, meine fassungslose Trauer behutsam umgeben will, mich vorsichtig, fast unmerklich an die Hand nimmt, mich begleitet und weiter führt, auch in das Altona von heute.

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Er deutet auf die nahgelegene Betty Levy Passage. Sage den Namen noch einmal: Betty Levy Passage; der Name spricht ganz leise, und doch nicht nur zu sich selbst, er spricht auch aus Altona von heute.


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Und von dort treibt es mich weiter und weiter, bis zu einem strassenartigen Viereck mit Häusern aus rotem Backstein, die rings um ein grossflächiges Blumenbeet gruppiert sind. Unterdessen ist die Sonne aufgegangen, und es ist mir, als wäre es Sommerzeit, denn die sorgfältig arrangierten Blumen blühen in lila- und rosaleuchtenden Farben. Die Leute in den umliegenden Häusern öffnen die Gardinen-behangenen Fenster und schauen auf das Blumenbeet. Es sind Altonaer. Sie wohnen in der Joseph Carlebach Strasse.


