Die Verlobung und Heirat
Im Margerethen-Lyzeum

Joseph Carlebach, der Lehrer, etwa 1915/16
Dr. Joseph Carlebach war damals Oberlehrer für Mathematik und Kunstgeschichte im Berliner Margarethen-Lyceum; und er bat um Erlaubnis, im Zeichenunterricht als Schüler teilzunehmen und einen Platz auf der Schulbank zu bekommen –neben der jetzt “schon” 15 jährigen Lotte. Warum wohl?

Die Schülerin Lotte Preuss
Eine langjährige Freundschaft verband das Preußische Arzthaus und Carlebachs Elternhaus in Lübeck. Dr. Joseph Carlebach schrieb 1911 eine Rezension über das Buch „Biblisch-Talmudische Medizin“, das Julius Preuss in unermüdlicher Forschungsarbeit noch auf seinem Krankenlager fertig gestellt hatte; und nach dem Hinscheiden von Opa Preuss im Jahre 1913 schrieb er einen ergreifenden Nachruf auf ihn.
Die Witwe Martha Preuss eröffnete in ihrer Berliner Wohnung (Linienstraße 119) eine Pension für religiöse Studenten der dortigen Universität und des Berliner Rabbinerseminars. Es bildete sich in dem Haus ein wöchentlicher Lernkreis, der auch zur Erinnerung an Julius Preuss hoch in Ehren gehalten wurde. In diesem Rahmen war Joseph Carlebach zwar kein Pensionär, aber häufiger Besucher im Haus und bevorzugter Erzähler über seinen Lehraufenthalt in Jerusalem oder auch Vorleser von klassischen Dramen – bis er nach Ausbruch des Krieges (Erster Weltkrieg) sich freiwillig zum Militär meldete, und in Kowno stationiert wurde.
Nach einer langen Unterbrechung, bei einem seiner sporadischen Urlaubsbesuche in Berlin 1917 stand er Lotte gegenüber, nachdem er sie monatelang nicht gesehen hatte. Sie, ein junges, eben siebzehnjähriges bildschönes Mädchen, und er ein fast doppelt so alter, bärtiger Hauptmann in Uniform…
Der Heiratsantrag

Dr. Joseph Carlebach in Uniform
…und wie es damals so schön hieß: “Er hielt um ihre Hand an”. Jedoch einem Bibelspruch entsprechend wurde sie selbst gefragt: “Willst Du mit diesem Mann gehen?” und sie antwortete – nach 12stündiger Bedenkzeit – “Ja, ich will” (Genesis 24, 57-58).

Lotte Preuss, die 17-jährige verlobte Braut
Die Verlobung

Lottes Brauttaschentuch
Die so junge Lotte war bei ihrer Verlobungsfeier doch ein wenig verloren zwischen den um vieles älteren, verheirateten und überschwänglichen Schwestern und Gebrüder der sprudelnden zahlreichen Carlebach-Familie. Und als dann die alte Standuhr dazu noch Zehn geschlagen hatte, sagte selbst der Vormund zu ihr: “Lotte, du musst ins Bett…”

Das jung verheiratete Ehepaar

Alle verheirateten Carlebachs
Verheiratet
Lotte, die jetzt ihrem Offizier-Gemahl als Frau Direktorin Carlebach im Winter 1919 nach Litauen folgte, war wie ein Backfisch – gleichaltrig mit den Schülerinnen der Oberklassen im Carlebach-Gymnasium, worüber deren Mütter manchesmal die Nase rümpften.
Und zur ersten Lehrer-Konferenz in ihrer kleinen Kownoer Wohnung fragte Lotte: Wie macht man bloß Frikadellen für 20 Lehrer mit einer Kriegsration von 200 Gramm Hackfleisch?
Die erste Schwangerschaft:
Lottes bärtiger Gemahl in voller Offizier-Uniform im Berliner Kaufhaus (Hirschfeld oder Tietz): “Ich brauche ein Umstandskleid für einen Backfisch…”. Was die Verkäuferin sich wohl dabei gedacht hat?
Joseph Carlebach in Kriegs-Uniform, 1918

Und falls das erste Baby ein Junge ist…
Eine schriftliche Beratung mit dem verständnisvollen Schwager, Rabbiner Dr. Ephraim Carlebach aus Leipzig.

Dr. Ephraim Carlebach
(Lübeck 1879 – 1936 Tel-Aviv)

Lottes Brief, Handschrift, 1919:
Wie verhält man sich dann bei der Beschneidungsfeier? Wer bekommt die Würde des Gevatters und wer wird das Baby mit den Segenssprüchen besingen?