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Die Hamburger Mazzefabrik: kreisrunde Mazzes
auch: Mazzoth, Mazzot, Matzen

II. Mazzen in nicht-jüdischer Umwelt

(gemäss: Helga Frobeen. Fünfzig Jahren, Denkmal eines Familienlebens. Ostermoor, 1951)

 

Machine factory Rudolph Scheffuss

1925 – Ich erinnere von jenem Jahre, dass ich mit Vater einmal in der jüdischen Mazzenfabrik war, die damals hinter einer Synagoge in den Kohlhöfen gelegen war. Dort liefen Maschinen, die Vater gebaut und geliefert hatte. Ein Herr Katz, der Pächter, war dort. Irgendetwas wurde gefeiert, wir aßen hinterher Mazzen, mit braunem Zucker bestreut…

1938 – Wenn ich in diese [späteren] Jahre zurückschaue, so sehe ich wenig Ereignisse, bei denen man in der Erinnerung gern verweilen möchte. Es fehlen ihnen die Licht- und Höhepunkte, … ein großer Teil meiner Empfindung fällt jedenfalls den Zeitumständen zur Last, die gar nicht dazu angetan waren, eine besondere Lebensfreude zu erzeugen – ganz im Gegensatz zur öffentlichen Propaganda, die sich förmlich in der Betonung der neu gefundenen Lebensfreude überschlug. An sich waren wir gar nicht „dagegen“, hatten durchaus volles Vertrauen zum „Führer“, meinten nur, er wüsste nichts davon, wenn mitunter manche Dinge doch zu verquer liefen. Irgendwie hatten wir alle das Gefühl, in einem Gefängnis zu sein.

Das wurde im Laufe dieses Jahres noch viel stärker und wurde zu richtiger Beklemmung, als im November die große Judenhetze losging. Da hat es einem manchmal doch den Atem verschlagen.

Wir hatten von jeher viel mit Juden zu tun gehabt und haben das in keiner Weise zu beklagen brauchen. Zuletzt war noch Herr Katz da, der Pächter der Mazzenfabrik… Herr Katz hat es wirklich fertig gebracht, bis in den Krieg hinein unter der Oberaufsicht der Geheimen Staatspolizei Mazzen zu backen und diese der Devisen wegen nach Dänemark zu liefern. Auch er war im KZ gelandet, aber daraus wieder entlassen worden, eben um die Mazzen des ausländischen Mammons [Kapitals] wegen zu backen. Hernach wäre es bestimmt auch um ihn geschehen gewesen, wenn er nicht noch Anfang 1941 hätte nach den USA flüchten können.

III. Tag- und Nachtbäckerei

(gemäß: M. Gillis-Carlebach, Jedes Kind ist mein Einziges. Hamburg, 1992,
Brief von Frau Rabbiner Carlebach an ihre Kinder in London vom 7.4.1939)

 

1939 – „…Hier wird es in jeder Beziehung schwierig werden, die Lebensmittelversorgung zu Pessach ist schrecklich schwierig. Gott sei Dank existiert ja noch die Mazzefabrik von Katz, so dass man wenigstens Mazzot hat, aber die Quanten sind natürlich viel kleiner als sonst.“ 

„… Herr Katz hat geradezu Unglaubliches in seiner Mazze-Fabrik geleistet; sie haben, glaube ich, in den letzten 6 Wochen vor Jomtow Tag und Nacht unaufhörlich gearbeitet…“

„… Ich selbst hing fast den ganzen Tag an der Strippe, der und der hatte keine Mazzot bekommen – dort lachten sie schon immer, wenn ich sie anrief, die Gemeinde da und da hat ihre Mazzot noch nicht! Es ist enorm, was Katz geleistet hat, sie haben die letzten 6 Wochen jede Nacht durchgearbeitet…“

Zuruck
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